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Seit der Veröffentlichung der Artikel zum Thema Hufrehe/EMS/ECS hat sich einiges verändert, wobei sich die Fortschritte leider weitgehend auf die Diagnostik beschränken und es hinsichtlich Therapie wenig Neues gibt.
Prävention ist besser als Therapie
Mit den über die letzten Jahre gesammelten Erfahrungen zu den Erkrankungen EMS und ECS werden inzwischen von den Fachleuten bestimmte Maßnahmen zur Früherkennung und damit auch zur Prävention empfohlen.
Bei Verdacht auf eine Hormonelle Störung sollten Screening Untersuchungen durchgeführt werden. Dabei werden Laborwerte von ACTH, Glukose und Insulin ermittelt.
Verdachtsmomente sind u.A.:
- Wachstumsringe an den Hufen
- Ausbildung einer flachen Sohle
- milde Rehe Anzeichen bzw. chronische Fühligkeit
- regelmäßige Fühligkeit nach dem Ausschneiden bzw. einem neuen Beschlag.
- Ausbildung eines Nackenkamms (wird in der Regel als Muskulatur fehlinterpretiert). Dort gesammeltes Fett ist sehr gefährlich und produziert proinflammatorische Zytokine, was wiederum zur Entstehung von EMS und ECS beiträgt
Bei anhaltendem Verdacht oder Vorliegen von EMS oder ECS sollte ein Monitoring erfolgen. Routinemäßig werden dabei jeweils im Frühling und Herbst Laborwerte überprüft.
Generell ist es sinnvoll ab dem 13. Lebensjahr mindstens1x im Frühjahr, ACTH, Glukose und Insulin zu bestimmen, um so über die Jahre verfolgen zu können, ob sich eine hormonelle Störung entwickelt. Noch aussagekräftiger ist der Vergleich mit einer 2. Probe im Herbst, wenn die Werte normalerweise ansteigen.
Diagnose
Timing der Probenentnahme (Nüchternwerte)
Voraussetzung für zuverlässige Werte sind standardisierte Untersuchungsbedingungen und ein nüchterner Zustand. Ideal wäre über Nacht Fasten für 8-10 Stunden bei einer Abendmahlzeit von lediglich einer Lage Heu mit geringem leicht verdaulichem Kohlehydratanteil. Wenn Fasten Stress verursacht – was bei den meisten EMS Patienten der Fall ist - dann in der Nacht vor und über den Messzeitraum gewaschenes Heu in geringer Menge anbieten. Dies ist derzeit das verlässlichste Verfahren. Definitiv kein Kraftfutter für mindestens 12 Stunden vor dem Test.
Die Blutabnahme erfolgt morgens zwischen 8:00 und 10:00: bestimmt werden ACTH, Insulin und Glukose, (evtl. zusätzlich Schilddrüsenhormone).
ACTH
Werte zwischen 7-35pg/mL sind normal (in Deutschland Ponys bis ca. 27 pg/mL , Pferde bis 50pg/ml).
Da die ACTH Werte oft kurzfristig stark schwanken, kann es vorkommen, dass man einen Wert im Normbereich ermittelt, obwohl das Pferd erkrankt ist (falsch negativ). Werte > 35pg/mL können u.U. schon krankheitsbedingt sein. Andererseits können Werte über 50pg/mL im Fall einer akuten Rehe oder sonstiger Schmerzzustände alleine durch den damit verbundenen Stress verursacht werden. Werte > 70pg/mL werden international als mit hoher Wahrscheinlichkeit diagnostisch positiv für Cushing gewertet, in Deutschland wird die Grenze z.T. erst bei 100 pg/ml gesehen. Ist man sich unsicher bezüglich der Grenzwerte oder liegen typische Anzeichen von ECS vor und sind die Werte im fraglichen Bereich, sollte ein Dexamethason-Suppressionstest durchgeführt werden.
Die angegebenen Normwerte für ACTH beziehen sich auf den Zeitraum von November bis Juli. ACTH Werte unterliegen bei einem gesunden Pferd einer jahreszeitlichen Schwankung mit natürlicher Zunahme der Werte auf das 2-2,5-fache beginnend im Juli über den August bis Oktober (Gefahr falsch positiver Werte). Der saisonalen Zunahme im Herbst folgt die Abnahme der ACTH Werte im Winter und den Basiswerten im Frühjahr und der ersten Hälfte des Sommers. In Einzelfällen hält der Anstieg aber bis in den Dezember hinein an.

Abb1: Schematischer Verlauf der ACTH Werte bei Pferden. Die individuellen Grenzen und die absoluten Werte bei verschiedenen Pferden können von diesem Schema abweichen.
ACTH-Werte die im Spätsommer/Herbst ermittelt werden sind also unzuverlässig. Wenn in dieser Zeit der Verdacht einer Cushing Erkrankung vorliegt oder eine akute Rehegefahr besteht, empfiehlt es sich auch ohne gesicherte Diagnose Pergolid zu geben. Um diagnostische Werte zu ermitteln wird im November Pergolid abgesetzt und nach einer Wartezeit von 2 Wochen eine Blutprobe zur Bestimmung von ACTH genommen. Wenn der Wert dann erhöht ist (über 35 pg/mL), bedeutet das Cushing und eine Fortsetzung der Pergolid Therapie.
Da eine Störung des ACTH Haushaltes bei sehr vielen Pferden vorkommt, wird inzwischen zu Vorsorgeuntersuchungen geraten. Bei Pferden über 13 Jahren sollte zweimal jährlich eine Vorsorgeuntersuchung stattfinden, um zu sehen, wann Störungen des Hormonhaushaltes auftreten. So kann man frühzeitig den Folgeschäden der Erkrankung vorbeugen.
Zum einen wird überprüft, ob die jahreszeitlichen Schwankungen stattfinden, zum andere ob die Werte im Normbereich liegen. Ein ausbleiben der jahreszeitlichen Schwankungen scheint ein Hinweis auf eine zu erwartende Cushing Erkrankung zu sein. Bei der Untersuchung wird der ACTH-Wert und der Insulinspiegel zusammen überprüft. In diesem Stadium braucht erst einmal kein Funktionstest durchgeführt werden (kein Zuckertest sondern nur Ruhewert Bestimmung), um zu sehen was grundsätzlich passiert.
Sofern die Werte immer zur gleichen Tageszeit genommen werden, ist es in diesem Stadium innerhalb des Tagesverlaufs egal, zu welchem Zeitpunkt man die Proben nimmt. Da die Werte durch Stress sehr stark beeinflusst werden, ist Stress zu vermeiden. Stress ist nicht immer äußerlich sichtbar (z.B. bei Schmerzzuständen oder auch beim Aufenthalt in fremder Umgebung oder einer Klinik) und muss bei der Interpretation der Werte berücksichtigt werden.
Wenn Hirsutismus („Bärenfell“ bzw. Winterfell im Sommer) zu sehen ist, braucht man zur Diagnosestellung eigentlich nicht mehr zu testen. Diese äußerlichen Anzeichen sind der verlässlichste Hinweis auf Cushing. Hier geht es dann auch wieder eher um die Kontrolle des Verlaufs.
Treten fragliche Werte auf sollten Funktionstests durchgeführt werden, die aber in der Regel aufwändiger in der Durchführung sind. Das gleiche gilt für subklinische Fälle, bei denen die Erkrankung noch nicht sichtbar ist.
Übliches Bestimmungsverfahren:
Da das Peptidhormon ACTH instabil ist, muss die Plasmaprobe mit einem Proteasehemmer (Aprotinin, Trasylol®) versetzt sein oder tiefgefroren versandt werden. Letzteres ist vor alem in der Fahrpraxis mit logistischem Aufwand verbunden.
Wir empfehlen das Verfahren, des Labors Biocontrol, das am wenigsten störanfällig ist und am wenigsten Aufwand verursacht. Die dafür notwendigen speziellen Röhrchen (Trasylol) werden vom Labor gestellt und müssen tiefgefroren gelagert werden (max. 3 Monate haltbar). Die Röhrchen werden vor der Blutabnahme aufgetaut. Die Blutproben müssen binnen 4 Stunden abzentrifugiert werden (keine Kühlung notwendig) und sollten so verschickt werden, dass binnen 48h die Analyse erfolgt, andernfalls wird die Probe eingefroren.Bei hohen Außentemperaturen ist es ratsam, das Plasma zusätzlich mit einem Kühlakku zu verpacken.
Bei unklaren Situationen sollte ein Funktionstest durchgeführt werden. Die sichersten Ergebnisse liefert ein kombinierter Dexamethasonsuppressionstest in Kombination mit einem TRH Stimulationstest. Der Vorteil der Kombination beider Tests ist abgesehen davon dass über 2 Verfahren die Funktion des Systems überprüft wird die Tageszeitunabhängigkeit der Probenentnahme. Häufig wurd auch nur der Dexmethasonsuppressionstest durchgeführt.
Gemessen wir bei diesem Test der Kortisolspiegel.
Testprocedere:
1. Dexamethason im Laufe des Tages als intramuskuläre Injektion geben
2. 3 Stunden später 1. Blutprobe für Kortisolbestimmung nehmen
3. Als Nullwert akuter Suppressionswert nach 3 Stunden
4. Dabei die intavenöse Injektion mit TRH vornehmen (Stimulation)
5. 30 Minuten nach TRH 2. Blutprobe für Kortisolbestimmung nehmen.
Ein Anstieg von Kortisol um 30-50% über den Nullwert ist zu diesem Messzeitpunkt fraglich für ECS, ein Anstieg über 66% gilt als sicher für die Diagnose ECS.
6. 24 Stunden nach Dexamethasongabe 3. Blutprobe für Kortisolbestimmung
Ein Suppressionswert, der über 1µg/dl liegt, gilt als sicher für die Diagnose ECS

Abb2: Referenzkurve und Messwerte eines Pferdes mit ECS. Beide Messwerte sind erhöht.
Insulin
Bei der Bestimmung der Insulinwerte tritt das Problem auf, dass verschiedene Labore unterschiedliche Analyseverfahren anwenden, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Um Werte vergleichen zu können, müssen die Proben immer im gleichen Labor untersucht werden und es müssen die laborspezifischen Grenzwerte benutzt werden.
Biocontrol: 0,5-13µU/ml, ab 15 µU/ml fraglich erhöht, ab 20-30 µU/ml äußerst verdächtig, darüber eindeutig erhöht.
Nüchternwerte für Insulin sollten nicht höher als 10-20 µU/mL sein, Werte > 20 µU/mL sind fraglich erhöht, ab > 30 µU/mL vermutlich pathologisch. Ab einem Wert über 30 µU/mL spricht man von Hyperinsulinämie (Grenze mit Labor klären!). Werte > 70 µU/mL sind äußerst verdächtig.
Wenn Werte zwischen 20µU/mL und 30 µU/mL ermittelt werden, sollten weitere Kontrollwerte ermittelt oder Funktionstests durchgeführt werden, auf jeden Fall wenn sie zwischen 40 µU/mL und 70 µU/mL liegen.
Ein hoher Ruhe Insulinwert ist meist schon ein deutlicher Hinweis, dass etwas nicht stimmt.
Auch bei der Interpretation der Insulinwerte spielt Stress eine wichtige Rolle. Alles was Blutzuckerspiegel erhöht, führt auch zu einem Anstieg des Insulinspiegels. Neben Stress ist dies wiederum vor allem Schmerz und Angst.Schmerz und Stress können eine „natürliche“ Insulinresistenz verursachen, die nicht Stoffwechsel bedingt ist. Das sympathische Nervensystem bremst Insulinsensitivität, was höhere Insulinspiegel erfordert, um den Blutzuckerspiegel niedrig zu halten. Bei Pferden mit akutem Reheschub bzw. Schmerz kann auch bei nachgewiesener Insulinresistenz nicht unbedingt auf EMS geschlossen werden. Schon das Legen einer Braunüle kann bei entsprechend empfindlichen Pferden eine temporäre Insulinresistenz bewirken.
Insulinwerte können auch zur Überprüfung der Schädlichkeit spezifischer Futterrationen oder Verträglichkeit von Weidezeiten für fragliche Pferde herangezogen werden. Bleibt der Insulinwert im Normbereich ist die Ration unproblematisch.
In unklaren Fällen kommt man um Funktionstests nicht herum. Der zuverlässigste Test ist der CGIT, der aber relativ aufwändig und nur in der Klinik praktikabel ist.
Auf der Suche nach einem einfacheren Test wurde ein simpler aber relativ zuverlässiger oraler Test (OST-Test) entwickelt. Der Test beurteilt den Grad der Insulinresistenz, ist einfach und billig, die Aussagefähigkeit bzw. Zuverlässigkeit aber noch nicht endgültig erforscht.
Oraler Zuckertest (OST-Test):
1. Über Nacht Fasten: Kein Kraftfutter ab Mittag , um 21 bis 22 Uhr eine Lage Heu ohne hohen leichtverdaulichen Kohlenhydratgehalt
2. Am Morgen verabreicht der Besitzer die für das Pferd speziell ermittelte konzentrierte Zuckerdosis selbständig (Die individuelle Dosis wird von uns ermittelt und das Zuckerkonzentrat von uns zugeschickt)
3. Zwischen 60 und 90min nach Gabe wird vom Tierarzt Blut genommen (75min als Standard, der Termin muss mit uns entsprechend abgesprochen werden und bedingt eine Einzelanfahrt)
4. Werte für Glukose und Insulin werden ermittelt
Insulinwerte > 60 μ/dl sprechen beim OST-Test für das Vorliegen einer Insulin Resistenz, Werte zwischen 40-60 μ/dl stellen eine Grauzone dar. Sind die Ergebnisse nicht eindeutig sollte ein CGIT-Test vorgenommen werden.
Eine Insulinresistenz kann auch bei dünnen, rippigen Pferden vorliegen! Eine Äußerliche Verfettung ist nicht unbedingt notwendig. Dieses Erscheinungsbild tritt vor allem im Zusammenhang mit ECS auf.
Bei der Analyse über das Labor Biocontrol wird Insulin aus den identischen Röhrchen wie ACTH bestimmt. Eine Kühlung der Blutprobeist nicht unbedingt notwendig, lediglich abzentrifugieren und über Nacht wegschicken, evtl. einfrieren.
Glukose
Beim Pferd ist die Insulinresistenz in den meisten Fällen „kompensiert“. Das bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse in der Lage ist. so viel Insulin zur Verfügung zu stellen, dass der Blutzuckerspiegel weitgehend im Normbereich beleibt während der Insulinspiegel erhöht ist.
Bei gesunden Pferden liegt der Nüchtern Glukose Wert Normwert 55–95 mg/dl. Bei EMS ist Glukose wegen der Kompensation meist nur geringgradig erhöht mit Werten bei 80-115mg/dL. Je nach Grad der Kompensation steigen die Werte über den Grenzwert an.
Gehen die Werte wiederholt in den Bereich >150 mg/dL liegt meist ein Diabetes Typ 2 vor, die Folgen der Insulinresistenz können nicht mehr kompensiert werden. Wenn Insulinwerte fraglich erhöht sind und Glukose Werte im normalen oder fraglich normalen Bereich liegen, sollte ein Funktionstest auf die Funktionsfähigkeit des Insulinsystems durchgeführt werden. Dafür eignet sich noch immer der CGIT am besten.
Der CGIT(Combined Glucose-Insulin Test) ist relativ aufwändig. Der Vorteil ist die hohe Empfindlichkeit hinsichtlich der Insulinsensitivität. Eine Insulinresistenz ist nachweisbar, auch wenn das Nüchterninsulin im Normbereich liegt.
Durchführung:
Über Nacht vor dem Test kein Kraftfutter, keine Weide sondern nur kohlenhydratarmes Heu. Heu kann während dem Test weiter zur Verfügung gestellt werden.
1. Basalblutprobe für Blutglukosewert
2. Infusion von 150 mg/kg KGW einer 40%igen Glukoselösung i.v.
3. Direkt anschließend: 0,10 IE/kg KGW Rapid Insulin i.v
4. Blutproben nach: 1/5/15/25/35/45/60/75/90/105/120/135/150 Minuten
Bei gesunden Werten besteht nach der Insulingabe ein kleines Risiko der Unterzuckerung. Bei entsprechenden Anzeichen lässt sich der Blutzuckerspiegel durch eine intravenöse Glukosegabe aber schnell und problemlos wieder anheben.
Auswertung: Eine Insulinresistenz liegt vor, wenn der Blutglukosespiegel 45 Minuten oder länger über dem Basalwert bleibt. Bleibt der Blutzucker länger als 45 Minuten über dem Ausgangswert, ist das ein Hinweis für Insulin-Resistenz. Sinkt der Glukosespiegel wieder rasch auf oder unter den Ausgangswert, funktioniert der Insulinrezeptor und es gibt keinen Hinweis auf Insulinresistenz.

Abb 3: Beispiel für Referenzwerte und Messwerte eines EMS Patienten bei einem CGIT
Der Test kann grundsätzlich nach 60 min abgebrochen werden auch wenn die Werte noch über dem Basalwert liegen, der Test also eindeutig positiv ist. Für zukünftige Vergleiche einer Verbesserung oder Verschlechterung ist es sinnvoll die 150 Minuten durchzuziehen. Stress, Unruhe und Aufregung müssen während des gesamten Tests unterbleiben, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten. Bei Schmerz, Stress und Aufregung können die Glukose Werte sehr schnell ansteigen (binnen Minuten). Der CGIT ist auch zur Therapiekontrolle geeignet.
Für die Probenentnahme müssen NaF Röhrchen verwandt werden.
Pferde mit EMS haben oft reaktiv niedrige Schilddrüsenhormonwerte – das bedeutet, die Schilddrüsen Werte sind nicht wegen einer primären Erkrankung der Schilddrüse verändert, sondern als Reaktion auf das metabolische Syndrom. Eine Behandlung der Schilddrüse ändert daher auch nichts an der Grunderkrankung.
Therapie
Bei der Therapie des EMS oder generell einer Insulinresistenz ist es oberstes Ziel die Insulinwerte so rasch wie möglich auf Normalwerte zu senken. Schmerz ist ein bedeutender Stimulator für hohe Insulinwerte. Auch jede chronische Entzündung hat Einfluss auf die Werte. Schmerztherapie hilft die Werte zu senken. Bei alten Pferden kann chronischer Arthroseschmerz schon ausreichen ACTH und Insulinwerte zu erhöhen. Pergolide hilft in der Regel bei einer Dosierung von 1mg/Tag zur Reduzierung der Werte.
Das metabolische Syndrom ist beim Pferd nach wie vor nicht effektiv medikamentös behandelbar. Ausschließlich Arbeit und eine angepasste Fütterung haben auf das grundlegende Problem einen signifikanten Einfluss. Bei Ponys hilft schon 10min Arbeit am Tag Insulinwerte zu reduzieren. Solch eine geringe Belastung reicht aber nicht aus um eine entscheidende Verbesserung zu erreichen. Dazu ist anstrengende Arbeit notwendig.
Bei EMS sollte Heu maximal 10% Stärke und wasserlösliche Kohlenhydrate enthalten (Ist nur durch Laboranalyse feststellbar und schwankt von Heucharge zu Heucharge erheblich). Wenn der Energiegehalt zu hoch ist, kann man den Anteil an wasserlöslichen Kohlenhydraten durch 1 Stunde Wässern deutlich senken.
Zur Gewichtsreduktion müssen die Patienten immer von der Weide ferngehalten werden. Abspecken gelingt nur, wenn man ausschließlich Heu füttert (maximal 10% leicht verdauliche Kohlenhydrate und Vitamin/Mineralzusatz (ideal z.B. Barn Bag) Als Faustregel gilt maximal 1,5% - besser 1,2% des angestrebten Körpergewichtes als Heuration am Tag. Schon bei einer Menge von 2% des Körpergewichtes erfolgt keine Abnahme der Fettdepots. Wenn das nicht ausreicht, wird die Heuration langsam auf 1% des angestrebten Körpergewichts reduziert.
Als realistisches Ziel kann man sich eine Abnahme von 0,7-0,8% des initialen Körpergewichtes pro Woche über 3-4 Monate setzen. Dazu ist es notwendig konsequent einmal monatlich das Gewicht zu prüfen und evtl. auch Blutwerte zu nehmen. Diese Überprüfung sollte man zusammen mit einem außenstehenden vereinbaren, um den „inneren Schweinehund“ auszutricksen. Dabei wird das Gewicht (Maßband) protokolliert, der BCS, der Stand des Bewegungsprogramms und die zugeführten Futtermengen inklusive aller Zusätze und „Leckerli“.
Wenn ein eingeschränkter Weidegang wieder möglich wird, dürfen die Risikokandidaten nicht unbeschränkt Gras fressen (Maulkorb, Rationierung,…). Außerdem ist es günstiger die Pferde früh morgens (ideal wäre 3:00 - 9:00 in der Früh) wenn die Energiespeicher des Grases abnehmen auf die Weide zu lassen und wenn keine Gefahr bzgl. Witterungseinflüssen (Frost!) besteht.
Wird eine Zufütterung von energiereichem Futter notwendig, sollte man erst den Status der Insulinresistenz ermitteln. Davon ausgehend kann man abwägen wie energiereduziert bzw. vorsichtig gefüttert werden muss.
Pergolide Therapie
Pergolide ist ein Medikament aus der Humanmedizin, das inzwischen unter dem Handelsnamen Prascend® für Pferde erhältlich ist. Pergolide schützt nur vor Hufrehe, wenn die Fütterung entsprechend angepasst wird. Die Dosierung erfolgt grundsätzlich nach Wirkung. Die Einstiegsdosis beträgt 1mg/Tag und kann bis max. 5mg/Tag gesteigert werden.
Etwa ein Monat nach Beginn der Therapie sollte man den ACTH Wert testen. Zu diesem Zeitpunkt wird lediglich der aktuelle Wert gemessen. Ein Stimulationstest (Dexametason Suppressiontest) ist nicht vor einem halben Jahr nach Beginn der Therapie sinnvoll, da meist vorher noch keine entsprechenden Veränderungen messbar werden, selbst wenn sich die klinischen Erscheinungen bessern.
Der ACTH Wert sollte unter 70 pg/mL liegen. Reicht die Dosis nicht aus steigert man sie in 0,5mg Schritten (1,5mg, dann 2 mg, 2,5mg,…., bis 5mg keine toxischen Effekte). Der angestrebte Wert von 35 pg/mL wird leider auch bei hoher Dosierung nicht immer erreicht.
Mit zunehmendem Alter muss die Dosis mit fortschreitender Krankheit gesteigert werden.
Pergolide behindert die Lactation. Wenn es sich nicht umgehen lässt, wird ein Monat vor der Geburt Pergolid langsam abgesetzt, 2 Wochen nach der Geburt beginnt man langsam wieder hoch zu dosieren. Die Gefahr einer nachgeburtlichen Rehe steigt damit aber an.
Metformin
Von der Wirkungsweise her ist die Gabe von Metformin bei Insulinresistenz grundsätzlich sinnvoll, da durch Metformin die Insulinsensitivität gesteigert wird. Beim Menschen hat sich diese Therapie über lange Zeit bewährt.
Leider wird der Wirkstoff beim Pferd aber sehr schlecht resorbiert und es gibt nach wie vor keine verlässlichen Dosierungsempfehlungen.
Ab einem Insulinwert von über 100µU/mL wird von manchen Autoren eine Therapie angeraten. Die Dosierung beginnt mit 15mg/kg 2x am Tag aber selbst bei 30mg/kg tritt beim Pferd kaum ein therapeutischer Effekt auf. Bei 30mg/kg 3x am Tag scheint eher eine nachweisbare Wirkung einzutreten, vermutlich müsste man es aber noch wesentlich höher dosieren, kommt dann aber in toxische Bereiche.
Levothyroxin
Durch Gabe von Schilddrüsenhormon kann man theoretisch die Gewichtsabnahme beschleunigen. Das entsprechende Präparat ist in Deutschland nicht erhältlich.
Supplemente
Kein getestetes Supplement hat eine signifikante nachweisbare Wirkung auf die Hufreheproblematik, auch wenn sich gewisse Parameter beeinflussen lassen.
Das einzige „Supplement“, das wirklich hilft, ist Gewichtsreduktion und Arbeit.
Hufrehe Therapie
Tranquilizer:
Die Gabe des Beruhigungsmittels Vetranquil® (Acepromacin) als IV oder IM Injektion vier mal täglich ist zumindest in den ersten 3-5 Tagen einer akuten Rehe sinnvoll, da sich die Pferde häufiger hinlegen und die Hufe dadurch entlasten. Darüber hinaus senkt Vetranquil® schon in geringen Dosen den peripheren Blutdruck, was ebenfalls hilfreich ist.
NSAID:
Die Gabe von nicht steroidalen Entzündungshemmern (NSAID) ist essentiell.
Die Gründe sind:
1. die ethische Verpflichtung das Leiden so gering wie möglich zu halten
2. die Notwendigkeit die destruktiven entzündlichen Prozesse zu bremsen
3. eine neurogene negative Rückkopplunsschleife zu reduzieren (neurogene Entzündung)
4. die negative Rückkopplung des Stresszustandes auf die Insulinresistenz zu reduzieren
Essentiell wichtig ist bei der Schmerzreduktion die gleichzeitige optimale Entlastung der geschädigten Strukturen.
Dazu gehört
1. im akuten Stadium die Sedation, die das Hinlegen fördern soll
2. und in jedem Fall die mechanischen Entlastungsmaßnahmen am Huf
Entgegen der Auffassung mancher Theoretiker sind nicht alle NSAID in ihrer Wirkung gleich.
Hinsichtlich des akuten Reheschmerzes ist nach wie vor Phenylbutazon bzw. Equipalazone (2.2 mg/kg) oder FlunixinMeglumin bzw Finadyne (0.5-1.0 mg/kg zwei mal täglich intravenös oder oral) am effektivsten. Die modernen Magen schonenderen mehr (COX)-2-selectiven NSAIDs (Firocoxib bzw. Equioxx und Meleloxicam bzw.Metacam) haben zumindest in der klinischen Realität eine geringere Wirkung auf den akuten Reheschmerz. Sie sind eher für einen chronischen Schmerz sinnvoll. Das gleiche trifft für Aspirin zu, dessen Wirkungsweise im Zusammenhang mit Hufrehe unklar ist und vermutlich zusätzliche andersartige therapeutische Effekte aufweist.
Weitere Therapeutika
In Fällen, in denen NSAIDs nicht ausreichen, um den Schmerz zu kontrollieren, kann versucht werden, mit Opioiden, Lidocain, Ketamin, und alpha-2 Agonisten alleine oder in Kombination miteinander, eine weitere Linderung zu erreichen, was aber häufig nicht wirklich gelingt und sehr aufwändig werden kann.
Das Lokalanästhetikum Lidocain ist ein hochpotentes Schmerzmittel aber nur sehr kurzfristig systemisch wirksam und muss daher kontinuierlich als Infusion verabreicht werden (1.3 mg/kg als Bolus intravenös, danach 0.05 mg/kg/min Dauerinfusion), was es in der klinischen Anwendung wenig praktikabel macht.
Opioide alleine sind weitgehend wirkungslos, in Kombination mit Lidocain, Ketamin und Detomidin als Dauertropf scheint eine potenzierende Wirkung zu bestehen.
Gabapentin (Neurontin) ist beim Menschen bei neurogenen Schmerzen sehr wirksam und wird auch beim Pferd mit unterschiedlichen Ergebnissen eingesetzt. Gabapentin wird beim Pferd bei oraler Gabe schlecht resorbiert und muss daher höher dosiert werden als beim Menschen (mindestens 5-10 mg/kg 2-3 mal täglich). Die intravenöse Gabe wäre sinnvoll aber es gibt kein brauchbares Präparat. Als Nebenwirkung tritt eine milde Sedierung auf, was wiederum das Hinlegen fördert.
Wie man sieht – bei der Therapie leider nichts wirklich Neues.
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