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Ideopathisches Headshaking
Wie schon der Wechsel in der Bezeichung sagt, hat sich seit der letzten Überarbeitung des Artikels über Headshaking einiges getan. Die Bedeutung des Lichtes als auslösender Faktor ist etwas zurückgetreten. Licht wird inzwischen als einer von vielen möglichen Auslösern angesehen, wobei es immer noch ein sehr starker Auslöser zu sein scheint. Chronisches Headshaking, weiß man inzwischen, ist mit Sicherheit eine Antwort auf Schmerz und nicht Ausdruck von Frustration oder Unwillen gegenüber dem Reiter. Nach wie vor müssen primäre Schmerzherde im Bereich des Kopfes und Genickes ausgeschlossen werden. Solche Schmerzquellen können unter Anderem im Ohr, im Zahn- und Kieferbereich, in den Nebenhöhlen des Kopfes, dem Luftsack oder Veränderungen am Genick und den oberen Halswirbeln sein. Zur Definition des ideopathischen Headshaking werden inzwischen drei klassische Verhaltensweisen herangezogen. Mindestens zwei dieser Verhaltensweisen müssen vorhanden sein, damit man von ideopathischem Headshaking sprechen kann.
- Ruckartiges plötzliches nach oben schnicken des Kopfes ohne jegliche Vorwarnung
- Ausdruck einer Reaktion, die man normalerweise erwarten würde, wenn ein Insekt in die Nase geflogen ist oder in die Nüstern gestochen hat
- Abwischen und reiben der Nüstern an den Beinen
Inzwischen hat sich weiter bestätigt, dass der Trigeminusnerv das eigentlich erkrankte Organ ist. Der Trigeminusnerv ist ein großer Gesichtsnerv, der unter anderem die Kaubewegungen steuert und für sensorische Wahrnehmungen im Gesicht verantwortlich ist. Davon ausgehend, dass ideopathisches Headshaking der Trigeminusneuralgie des Menschen ähnelt, muss von erheblichen Schmerzwahrnehmungen für das Pferd ausgegangen werden. Das Gefühl kann man sich vielleicht etwa so vorstellen, wie wenn ein Weidezaungerät an den Gesichtsnerv angeschlossen wäre (angenehme Vorstellung? Nicht wenige Menschen mit Trigeminusneuralgie - bei denen sich der Schmerz etwas anders äußert - treibt es in den Selbstmord). Das grundlegende Problem bei dieser Nervenerkrankung scheint zu sein, dass die Reizschwelle für die Stimulation des Nerven drastisch herabgesetzt ist. Das heißt, ein Stimulus bzw. ein Ereignis, das im Normalfall noch lange nicht zur Reizung des Nerven führt, löst sofort ein völlig übertriebenen Superreiz aus, der dann vom Gehirn als Schmerzsignal empfunden wird. Auslöser sind die ganz alltäglichen natürlichen Reize durch Licht, Wind, Kälte, Staub oder Regentropfen wobei die Auswahl von Pferd zu Pferd spezifisch schwankt. Typische Allergene oder eine klassische Allergie scheinen in der Regel nicht damit in Verbindung zu stehen, auch wenn es hier Ausnahmen gibt.
Es bleibt immernoch die Frage, warum es überhaupt zur Nervenerkrankung kommt. In der Regel beginnt die Erkrankung nicht vor einem Alter von sechs Jahren. Man nimmt inzwischen an, dass als Basis der Entstehung der Erkrankung hormonelle Fehlsteuerungen eine Rolle spielen, die jahreszeitlich gebunden sind.
Hinsichtlich Therapie hat sich der Einsatz von Carbamazepine durchgesetzt. Oerationsverfahren, wie beim Menschen sind derzeit zu gefährlich.
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